Studium finden

Wie finde ich das richtige Studium?

Egal ob du MaturantIn bist, gerade deinen Zivildienst beendet oder beschlossen hast, dich beruflich neu zu orientieren – die Entscheidung für einen bestimmten Ausbildungsweg ist etwas Großes und oft mit viel Unsicherheit verbunden. Auf die Frage Was will ich in Zukunft machen? haben viele von uns nach der Schule (wenn überhaupt) nur eine sehr vage Antwort. Du weißt vielleicht, dass du studieren oder noch eine Ausbildung machen möchtest – aber welche? Und auch später im Leben werden wir immer wieder vor die Frage gestellt, wie es jetzt beruflich weitergehen soll.

Die Zeiten, in denen wir bis zur Pension denselben Job gemacht haben, sind definitiv vorbei. Die große Wahlmöglichkeit, vor der wir heute stehen, birgt viele Chancen, uns selbst zu verwirklichen – gleichzeitig kann sie aber auch überfordernd sein. Ich möchte meine persönlichen Erfahrungen und das, was ich in über hundert Gesprächen in meinem Job in der Bildungs- und Berufsberatung gelernt habe, mit dir teilen, um dir die anstehende Entscheidung ein bisschen zu erleichtern.

Welche Branche interessiert dich?

In Österreich gibt es alleine an die 1000 unterschiedliche Bachelor-Studiengänge (für eine Liste siehe uni.at), was es natürlich unmöglich macht, sich über jeden einzelnen zu informieren. Trotzdem wäre es schade, die Chance auf eine passende Ausbildung zu verpassen, weil du nur die bekanntesten Studienrichtungen kennst. Daher würde ich dir empfehlen, erst einmal für dich herauszufinden, welche Branche gut zu deinen persönlichen Interessen und Stärken passt und dich dann genauer zu informieren, welche Ausbildungsmöglichkeiten es in diesem Bereich gibt.

Wenn du noch nicht so richtig weißt, in welche Richtung es gehen soll, bietet der Berufsinformationscomputer bic.at eine gute erste Orientierungsmöglichkeit. Beim Interessensprofil der Website wirst du aufgefordert einzuschätzen, wie gerne du bestimmte Tätigkeiten machst. Als Ergebnis bekommst du ein Ranking für dich passender Berufsfelder präsentiert. Von Bau & Architektur über Gesundheit bis hin zu Mode ist hier ein breites Spektrum abgedeckt. Für jede Branche kannst du dir alle Berufe und Ausbildungen, die es derzeit in Österreich gibt, direkt auf der Seite genauer anschauen. Willst du dir ein persönlicheres Bild über die einzelnen Berufe machen, empfehle ich dir, dazu Videos auf watchado anzuschauen. Darin erzählen Menschen, die bereits in diesem Beruf tätig sind, wie sie dazu gekommen sind, was das Coolste an ihrem Job ist, welche Fähigkeiten man mitbringen sollte und was mögliche Herausforderungen dabei sind.

Uni oder FH?

Du hast dir einen Überblick verschafft, welche Berufsfelder für dich interessant sein könnten – nun stellt sich die nächste Frage: passt ein Universitäts- oder FH-Studium besser zu dir? Überlege dir dazu gut, was du zum Lernen brauchst und versuche dabei, ehrlich zu dir selbst zu sein:

Hast du beim Lernen gerne viel Struktur, eine fixe Klassengemeinschaft und regelmäßige Leistungsüberprüfungen statt großer Prüfungen am Semesterende, ist eine Fachhochschule wahrscheinlich gut für dich geeignet. Eine FH setzt im Vergleich zur Uni auch mehr auf Berufspraxis, klassischerweise gehören mindestens 3 Monate Pflichtpraktikum zu einem FH-Bachelorstudium.

Teilst du dir deine Zeit lieber selbst ein und erarbeitest den Lernstoff gerne selbstständig? Fühlst du dich in der Anonymität großer Hörsäle wohl und arbeitest in Seminaren lieber mit immer neuen KollegInnen zusammen? Möchtest du eine Ausbildung machen, die den Fokus stärker auf wissenschaftliches Arbeiten als auf Praxiserfahrung legt? Dann würde ich dir eine Universität empfehlen.

Klingt dir das beides zu theoretisch und würdest du lieber bald praktisch tätig werden, könnte auch eine Lehre eine Option für dich sein. Hast du bereits die Matura, verkürzt sich die Lehrzeit dadurch um ein Jahr (je nach Lehrberuf von 3 auf 2 bzw. von 4 auf 3 Jahre). Auch die Lehrlingsentschädigung fällt zum Teil höher aus und steigt schneller als bei der Lehre nach Pflichtschulabschluss. Eine Lehre kann dir die Türen zu so unterschiedlichen Berufen wie TischlerIn, Immobillienkaufmann/frau, KonstrukteurIn, Online-Marketing, GoldschmiedIn oder Labortechnik eröffnen. Einen Überblick über alle Lehrberufe findest du auch auf bic.at.

Probier’s aus

Jetzt hast du vielleicht eine oder mehrere konkrete Studienrichtungen im Auge, als nächstes geht es ans Ausprobieren: Ein tolles Projekt der ÖH, für das ich als Studentin selbst als Betreuerin gearbeitet habe, ist Studieren Probieren. Du kannst über die Plattform Lehrveranstaltungen der unterschiedlichsten Studienrichtungen an FHs und Unis in ganz Österreich besuchen – in Begleitung von jemandem, der genau das gerade studiert und dir im Anschluss deine Fragen dazu beantwortet. So kannst du dir selbst ein Bild vom Studium machen und bekommst Informationen aus erster Hand. Studieren Probieren wird wegen der aktuellen Situation im Sommersemester 2020 leider nur online angeboten.

Auch für (Lehr-)berufe gilt – einfach mal ausprobieren. In Form von Schnuppertagen oder Praktika lernst du deine (möglicherweise) zukünftige Arbeit besser kennen und knüpfst erste Kontakte in der Branche.

Wenn du dich für mehrere Studiengänge interessierst und dich einfach nicht für einen entscheiden kannst, kann es auch hilfreich sein, erst einmal alle zu inskribieren und im Laufe des Studiums zu entscheiden, welches du fortführen möchtest. Bei den meisten Studien merkt man schon innerhalb der ersten Wochen, ob man sich mit der Materie für die nächsten Jahre genauer befassen möchte. Ich selbst habe mich so zwischen Psychologie und Jus entschieden. Gerade für Universitätsstudien ist das eine gute Möglichkeit, verschiedene Studienrichtungen vor der Entscheidung besser kennen zu lernen, da man nur einmal ÖH-Beitrag (20,20€ pro Semester) bezahlen muss und für ein zusätzliches Studium (in den ersten Jahren) keine weiteren Kosten anfallen. Außerdem hat man an der Uni meist nur wenige Wochenstunden Anwesenheitspflicht und kann so auch die Kurse mehrerer Studiengänge besuchen. Für mehrere Vollzeit-FH-Studiengänge ist diese Taktik leider aus zeitlichen Gründen nicht machbar.

Beachte das Aufnahmeprozedere

Nun ist es auch schon Zeit, dich für dein(e) Wunschstudien anzumelden. Für viele Studienrichtungen gibt es inzwischen Aufnahmeprüfungen. Das ist kein Grund zur Panik, nur solltest du dich rechtzeitig über Anmeldefristen informieren und dir genügend Zeit nehmen, dich vorzubereiten. Um dich optimal auf die Aufnahmeprüfung vorzubereiten, kann ich dir als Psychologin & Lerncoach meine Unterstützung anbieten. Im Lerncoaching können wir gemeinsam einen Zeitplan und effektive Lernstrategien erarbeiten, die dir dabei helfen, beim Lernen nicht den Überblick zu verlieren. Wenn du Interesse hast, schau dir doch mal mein Angebot auf lernen-lernen.wien an. Einige Lerntipps gibt es auch hier auf dem Blog in meinen Survival Guide für die Prüfungszeit.

Es ist deine Entscheidung

Auf die Frage, welche Ausbildung für dich die Richtige ist, haben sicher viele Menschen in deinem Umfeld Ratschläge parat. Die können hilfreich sein, die Entscheidung liegt jedoch letztendlich bei dir. Denn du bist derjenige, der das ganze dann auch durchziehen muss. Oft hören wir in unserem Umfeld die immer gleichen Studienideen (Medizin, Jus, BWL?), die jedoch nicht unbedingt das wiederspiegeln, was uns am meisten liegt. Versuche, dich bei der Wahl deiner Ausbildung daran zu orientieren, was du gerne tust und welche Themen dich begeistern – ob es nun die Arbeit mit Menschen, mit Holz oder mit Computern ist. Und halte die Augen offen nach bisher unbekannten Studienrichtungen und Ausbildungen, die vielleicht genau deins sind.

Photo by Nathan Dumlao on Unsplash

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2 Kommentare zu „Wie finde ich das richtige Studium?“

  1. Wie immer ein gut recherchierter und gut geschriebener Artikel! Ich finde du hast die Unterschiede zwischen FH und Uni genau auf den Punkt gebracht. Danke für das Verlinken der Seite bic.at, die kannte ich noch nicht und sie kann eine gute Hilfe bei der Orientierung sein! 🙂

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