Alkohol am Tisch

Alkoholkonsum auf Partys reduzieren – ein persönlicher Guide

Nach einer langen, lustigen Partynacht sagte ein guter Freund letztens plötzlich zu mir, ich will beim Fortgehen nicht mehr so viel Alkohol trinken, aber ich weiß nicht wie. Kannst du mir dabei helfen? Dieser Satz brachte mich zum Nachdenken. Ich gehe gerne fort, aber in den letzten Monaten und Jahren ist mir, viel stärker als früher, unsere Kultur des Trinkens aufgefallen. Rauschtrinken ist unter den ÖsterreicherInnen – gerade bei uns Jungen – sehr verbreitet. Und während mit 18 der Kater nach einer langen, flüssigen Nacht noch eher erträglich war, habe ich heute, mit 25, keine Lust mehr, den Sonntag mit einem nassen Waschlappen am Kopf im Bett zu verbringen. Daher habe ich schon vor einiger Zeit Strategien entwickelt, beim Fortgehen (trotz trinkfreudiger Freunde) nicht mehr zu trinken, als ich vertrage. Diese teile ich gerne mit dir, wenn du weniger trinken, aber trotzdem weiterhin fortgehen möchtest.

Eines vorweg: Die folgenden Tipps können dir helfen, deinen Alkoholkonsum zu reduzieren. Sie ersetzen jedoch keinesfalls eine Therapie bei Alkoholkrankheit. Etwa 10% der ÖsterreicherInnen erkranken im Laufe ihres Lebens an einer Alkoholsucht. Wenn du Sorge hast, alkoholabhängig zu sein, oder dir um einen Angehörigen Sorgen machst, findest du am Ende des Beitrags eine Stelle, an die du dich wenden kannst.

Finde heraus, warum du trinkst

Wir trinken aus den verschiedensten Gründen Alkohol. Er enthemmt und euphorisiert uns, er entspannt uns und lässt uns unsere Unsicherheiten vergessen. Manche von uns kommen so leichter ins Gespräch, trauen sich erst dann, ehrlich zu sein, oder jemanden anzusprechen. Andere haben Stress oder Sorgen, die sie nur dann eine Zeit lang ausblenden können, wenn sie im Rausch sind. Einige wollen einfach dazu gehören und anderen gefallen, trauen sich nicht, nein zu sagen, wenn in der Gruppe getrunken wird. Ein Faktor ist auch oft der Wunsch, etwas Verrücktes zu erleben, oder die Rechtfertigung zu haben, etwas zu tun, was man nüchtern nie machen würde (aus gesellschaftlicher Konvetion, Angst vor Zurückweisung etc.). Was immer es ist, die angenehmen Seiten werden bei übermäßigem Konsum – vor allem auf lange Sicht – von den Schattenseiten aufgewogen. Als erster Schritt zur Reduktion ist es jedoch wichtig, die eigene Motivation zu trinken zu kennen.

Such dir ein Ersatzgetränk

Überlege dir ein antialkoholisches Getränk, das es möglichst überall gibt und das du immer dann bestellst, wenn du gerade keinen Alkohol trinken willst. Ob das Mineralwasser, Cola oder Tonic Water ist, ist egal, hauptsache du magst es und hast es gleich parat, wenn du gefragt wirst. Das klingt vielleicht erst einmal eigenartig, aber es erspart dir stundenlanges Nachdenken – und die Versuchung bzw. Überredungsversuche deiner Freunde, doch wieder etwas Alkoholisches zu bestellen. Was mich gleich zum nächsten Punkt bringt.

Sei klar

Sage deinen Freunden klar und eindeutig, dass du heute nichts (oder nur wenig) trinkst. Überlege dir vor der Party, wieviel du am Abend trinken möchtest (2 Bier, einen Gin Tonic, gar keinen Alkohol etc.) und halte dich daran. Was für dich wenig ist, hängt natürlich stark von deinen Gewohnheiten und deiner körperlichen Verfassung ab, aber du willst, dass es dir morgen gut geht. Mehr als du gut verträgst sollte es daher jedenfalls nicht sein. Rechtfertige dich nicht und lass dich auf keine Diskussionen ein, mehr zu trinken. Du bist alt genug, selbst zu entscheiden, was du zu dir nimmst und was nicht. Eure Freundschaft wird das aushalten (und wenn nicht, weißt du, wen du ab sofort meiden solltest).

Gehe nicht in Lokale, die du nicht magst

Wenn dein erster Gedanke, sobald du den Club betritts, oh Gott, ich brauch erst mal was zu Trinken ist, solltest du dort nicht hingehen. Ich weiß, es ist nicht einfach, die perfekte Bar oder den idealen Club zu finden, vor allem wenn du in einer Stadt oder einem Ort lebst, wo die Auswahl begrenzt ist. Trotzdem solltest du deine Freizeit nicht an Orten verbringen, die du nüchtern nicht aushältst und irgendeine Alternative gibt es immer. Gleiches gilt für Menschen – womit wir beim nächsten Punkt wären.

Gehe mit Menschen fort, in deren Gegenwart du dich wohl fühlst

Ja, ich weiß. Manchmal gibt es im Freundeskreis die eine oder andere Person, mit der du nicht gut kannst, die aber trotzdem immer dabei ist. Deswegen solltest du noch nicht deine Freunde meiden, solange Menschen in der Gruppe dabei sind, mit denen du wirklich gerne Zeit verbringst und vor denen du dich nicht verstellen musst. Wenn du jedoch merkst, dass es in einer Gruppe niemanden gibt, mit dem du ehrlich reden kannst und ihr außer Saufen eigentlich nichts gemeinsam habt, solltest du dir vielleicht überlegen, ob das wirklich die Menschen sind, mit denen du deinen Samstagabend verbringen willst. Wenn du mit Menschen unterwegs bist, mit denen du auch nüchtern lachen und ganz du selbst sein kannst, hast du weniger Grund, etwas zu trinken.

Stelle dir selbst Mutproben

Every good story starts with a tequila – so etwas oder einen ähnlichen Blödsinn hat wohl jeder schon einmal gehört. Dass das nicht stimmt und du auch ohne viel Alkohol etwas Lustiges oder Ungewöhnliches erleben kannst, kannst du dir selbst beweisen, indem du dich herausforderst etwas zu tun, was du dich normalerweise nur betrunken traust. Damit meine ich natürlich nicht, etwas zu zerstören oder eine Rauferei anzustiften, sondern z.B. jemanden anzusprechen, der dir gefällt, peinlich zu tanzen oder deinen Freunden (oder auch jemand Fremdem) etwas sehr Persönliches zu erzählen. Eine Mutprobe quasi, so wie man sie als Teenager manchmal gemacht hat. Das schüttet nicht nur körpereigenes Adrenalin und Endorphine aus, sondern stärkt – im Gegensatz zu Alkohol – auch nachhaltig dein Selbstbewusstsein (und das ganz ohne Kater!).

Sucht euch ein gemeinsames Hobby

Jetzt klinge ich wahrscheinlich wie meine eigene Mutter. Aber ich meine es ernst: suche dir gemeinsam mit deinen Freunden eine Aktivität, die nichts mit Trinken zu tun hat und trefft euch regelmäßig dafür. Ob das Wandern, Kochen, Sport, Kino oder etwas ganz anderes ist, hängt natürlich von euren Interessen ab. Hauptsache, ihr sammelt nüchtern gemeinsame gute Erinnerungen.

Finde andere Wege, zu erreichen, was dir der Alkohol gibt

Dieser Punkt setzt noch einmal bei den Gründen fürs Trinken an. Wenn du weißt, warum du zum Alkohol greifst und wie du es kurzfristig vermeiden kannst, ist es auch wichtig, dir langfristig Wege zu überlegen, die Bedürfnisse zu befriedigen, die bis jetzt der Alkohol für dich gestillt hat. Überlege dir, wie du ganz ohne den Zusatz von Substanzen, durch körpereigene Glückshormone, einen Rausch erleben kannst – beim Sport zum Beispiel. Die oben genannten Mutproben beim Fortgehen kannst du natürlich auch auf andere Bereiche deines Lebens ausweiten. Überlege dir, was du immer schon einmal machen wolltest, dich bis jetzt aber nicht getraut hast – und beginne, Schritt für Schritt daran zu arbeiten, es für dich möglich zu machen. Setze dich mit deinen Problemen, Sorgen oder Ängsten auseinander. Und wenn es in deinem Leben belastende Umstände gibt, mit denen du nicht alleine fertig wirst, suche den Rat von Freunden, einem Psychologen oder Psychotherapeuten.

Das Anton Proksch Institut ist die erste Anlaufstelle für Beratung und Unterstützung beim Thema Sucht in Wien. Es bietet sowohl ambulante als auch stationäre Therapie für Erkrankte und Beratung für Angehörige an.

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1 Kommentar zu „Alkoholkonsum auf Partys reduzieren – ein persönlicher Guide“

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